Wo warn’s denn gestern…

„Wo warn’s denn gestern bei dem schönen Wetter?“, fragt die Hausherrin im Flur auf dem Weg zum Frühstücksraum.
„Auf dem Wank.“, bekommt sie zur Antwort, was sogleich aus dem Hintergrund vom Großvater des Hauses mit einem: „Des is an wunderscheener Aussichtsberg“, kommentiert wird.

Es stimmt. Der Wank ist ein wunderschöner Aussichtsberg und auch wenn wir in unserem letzten Garmisch-Partenkirchen Urlaub schon oben waren, so stand auch dieses verlängerte Wochenende irgendwie ganz im Zeichen des Wank.

Ein bisschen mag daran auch das Wetter schuld sein. Der Donnerstag als Anreisetag war genauso verregnet wie der Brückenfreitag, an dem es eigentlich ab Mittag aufklaren sollte.
Viele Touren waren also nicht möglich und weil wir auch ein wenig erkältungsgeschwächt angereist waren, haben wir es ruhig angehen lassen.
Den Donnerstag haben wir, nach dem Auspacken, mit einem gemütlichen Spaziergang und einem Abendessen im Werdenfelser Hof (mit musikalischer Untermalung und Schuhplattlern) stressfrei ausklingen lassen.

Die Vorfreude auf den Freitag wurde dann aber schon direkt mit dem Aufstehen getrübt. Es regnete heftig und die Sicht war gleich null. Die Wettervorhersage sprach davon, dass es aufklaren sollte, aber die Wolken hatten wohl einen anderen Wetterbericht.

Wir wollten auf den Wank. Da das zumindest im Aufstieg keine allzu lange Tour ist und die Wankbahn uns auch bis 17 Uhr wieder ins Tal befördert hätte, beschlossen wir ein wenig zu warten, ob sich das Wetter bessert. Wir fuhren in den Supermarkt, kauften noch ein paar Kleinigkeiten und verschoben den Start unserer Wanderung halbstündig in der Hoffnung, dass sich das Wetter endlich bessern würde.

Das Wetter besserte sich nicht!
Jetzt kann man natürlich sagen, dass es kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur schlechte Kleidung (und wenn ich mein „Expeditionsgepäck“ da so anschaue ist nichtmal die schlecht) aber mit Erkältungsvorbelastung ist da eine Wanderung nun wirklich nicht sinnvoll.
Wir beschlossen also die Wank-Wanderung auf Samstag zu verschieben und entschieden uns für den Freitag zu einer „Wank-Gondelung“.
Seit letztem Jahr hat Katrin da ja erhebliche Fortschritte gemacht, so dass auch eine Gondelfahrt ins Nichts (null Sicht) ihr nicht mehr viel ausmacht.

Oben angekommen, führte dann der Weg auch direkt ins Wankhaus zu einem heißen Linseneintopf, der zumindest mir ganz gut schmeckte. (Erkältungsbedingt hatte Katrin ihre Geschmachksnerven wohl im Tal gelassen, so dass sie auch mit einer Überdosis Salz nicht zu reaktivieren waren).
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Da man oben nichts gesehen hat und es auch keine Anstalten machte doch noch aufzuklaren sind wir wieder runtergegondelt und nachmittags noch ein wenig durch die Stadt geschlendert.
Auch so bekommt man Urlaubstage rum.

Samstag war alles anders. Die verschlafenen Augen lugten durch die
Vorhänge und sahen tatsächlich blauen Himmel.
Also, Vorhänge beiseite, Balkontür auf, rauf auf den Balkon und wahrhaftig: man konnte die Berge sehen.
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Nach dem Frühstück ging es also direkt zur Talstation der Wankbahn. Direkt heißt in diesem Fall so direkt, wie es die mir noch immer völlig unlogische erscheinende Verkehrsführung im Ortsteil Garmisch zuließ.
Aber nun gut, nach fünfminütigem Umweg konnten die Schuhe endlich geschnürt, die Rucksäcke geschultert werden und es ging los. Zunächst entlang des Fahrweges Richtung Hochseilgarten, vor dem wir allerdings direkt unter der Seilbahntrasse ein paar Meter abkürzten und uns dann vorbei an der Daxkapelle auf den Weg begaben, der in der Folge bis zur Esterbergalm führt.
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Das erste Stück dieses Weges ist nicht allzu spannend. Es geht in sanften Kurven teilweise recht steil bergan. Weide- und Waldpassagen wechseln sich ab und in regelmäßigen Abständen tragen gegen die Schwerkraft kämpfende Mountainbiker zur Erheiterung der Wanderer bei.
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Links herunter öffnet sich immer wieder der Blick ins Tal bis sich der Weg nach zwei engen und steilen Kehren nach Osten wendet. Hinter dem Frauenmahdsattel teilt sich schließlich der Weg und während man geradeaus weiter zur Esterbergalm gehen könnte, halten wir uns leicht rechts und biegen auf den schmalen Weg des Frauenmahdanstieges ab.
Dieser führt in zahllosen Serpentinen stetig nach oben, so dass wir nun ordentlich Höhenmeter sammeln.
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Im Winter wäre dieser Weg übrigens auch eine Aufstiegsvariante für eine Ski- oder Schneeschuhtour; allerdings könnte der obere Teil bei ungünstigen Verhältnissen durchaus heikel sein.
Oben wird das Gehölz lichter und irgendwann ist man (fast) oben.
Man hat nun noch die Möglichkeit rechts zum Farchanter Kreuz abzubiegen oder geradeaus in Richtung Gipfel zu gehen.
Durch das schöne Wetter und die Seilbahn ist spätestens das die Stelle an der einem die ersten TSTs (Turnschuh- und Sandalentouristen) begegnen.
Wir entschieden uns für den direkten Weg zum Gipfel(-haus).

Eine Pfannenkuckensuppe und ein alkoholfreies Weißbier später hatten wir beschlossen, diesmal nicht mit der Gondel nach unten zu fahren, sondern wieder nach unten zu wandern.
Auf Empfehlung entschieden wir uns, dafür nicht den Aufstiegsweg und auch nicht den Weg entlang der Gondeltrasse zu nehmen.

Wir gingen also in Richtung Roßwank los, schauten noch ein paar startenden Gleitschirmfliegern zu und verließen das Gipfelplateu in östlicher Richtung über den Weg, der lt. Beschilderung zum Gschwandtnerbauern führt.
Auch hier geht es in steilen Serpentinen bergab bis man erneut auf einen Abzweig zur Esterbergalm trifft.
Insgesamt scheint dieser Weg wesentlich wilder. Die Bäume sind höher, es gibt mehr Fels und auch ein Bach plätschert vor sich hin.
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Erinnert alles ein wenig an Karwendel.
Beim Gschwandtnerbauer angekommen mussten wir dann leider feststellen, dass wir drei Tage zu früh dran waren und das Gasthaus die Saison noch nicht eröffnet hatte.
Da der Gschwandtnerbauer ab dem Gipfel mit den normalen Öffnungszeiten ausgeschildert war, wäre hier ein Hinweis auf den noch nicht erfolgten Saisonbeginn hilfreich gewesen.
Sei’s drum, auch wenn es nun keinen Kaffee und Kuchen gab, war diese Abstiegsvariante lohnenswert.
Daran konnten auch die kurzen Regenschauer, die nun einsetzten nichts ändern und so kamen wenigstens auch noch unsere bunten Regenjacken zum Einsatz.
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(Es gibt ja fast nichts schlimmeres, als Equipment, das man mischleppt, ohne dass es zum Einsatz kommt.)

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Der Rückweg zur Talstation der Wankbahn zog sich abschließend ein wenig hin und auch hier ließ die lückenhafte Beschilderung ein wenig zu wünschen übrig. Durch und über zahllose Weiden gelangten wir aber schließlich zurück in den Ort und erreichten nach knapp über sechs Stunden wieder den Parkplatz an der Talstation.

Auch diesen Abend ließen wir in der Stadt mit sehnsüchtigen Blicken auf die wunderschönen Bergkulisse ausklingen.
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Durch die verregneten ersten Tage ging das „verlängerte“ Wochenende leider viel zu schnell vorbei. Ein Grund mehr, sich nicht direkt nach dem Frühstück (und dem Eingangsdialog mit der Hausherrin) auf die Autobahn zu begeben, sondern den Tag noch mit einer kurzen Wanderung durch die immer wieder beeindruckende Partnachklamm zu beschliessen.
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Der Rückweg führte dann über den Eckbauer und für den Weg nach unten entschieden wir uns, um nicht allzu spät Zuhause zu sein, für die etwas abenteuerliche Fahrt mit der Eckbauerbahn. (Bild folgt noch)

Begrüßt von dicken Regenwolken endete das Wochenende mit lachendem Sonnenschein.
Fast schien es, als wollte sich das Wetter bei uns für den holprigen Start entschuldigen und Besserung für unseren nächsten Besuch geloben!

Und bei diesem versöhnlichen Ende kommen wir doch gerne wieder……

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