Sonnenaufgang über den Wolken

Wie eigentlich in jedem Winter der vergangenen Jahre, fahre ich Anfang März zum Skifahren nach Serfaus-Fiss-Ladis (SFL).
Das war auch in diesem Jahr so. Ich hatte dort zehn schöne Skitage, von denen ich fünf in einem Skikurs für Fortgeschrittene verbrachte, um meine Technik ein wenig zu verbessern und die Hänge dieser Welt ein wenig ansehnlicher hinunter zu kommen.

Wir waren eine sehr homogene Gruppe und haben mit unserem Skilehrer Hannes ordentlich Kilometer auf und neben den Pisten SFLs abgespult.

In einer unserer Mittagspausen erzählte Hannes, der im Sommer unter anderem eine Bergsportschule in Fiss betreibt, dass er in seinem Tourenrepertoire eine Sonnenaufgangstour zum Furgler anbietet.

Der Furgler ist ein 3000er in der Samnaungruppe, der das Skigebiet von Serfaus überragt.
Das eigentliche Zauberwort in dieser Mittagspausenunterhaltung war jedoch „Sonnenaufgangstour“!
Wer den Bericht über meine Zugspitzbesteigung gelesen hat, kann sich denken, dass für mich in diesem Moment schon klar war, dass ich diese Tour machen werde!

Fünf Monate später war es dann soweit. Meine Freundin und ich verbrachten ein paar Tage zum Wandern in SFL und der Höhepunkt sollte die Sonnenaufgangstour zum Furgler werden. Der Wetterbericht kündigte zwar gutes aber leicht durchwachsenes Wanderwetter an, weshalb wir für die Woche keinen festen Plan gemacht hatten, sondern uns im Vorfeld zusammen mit Hannes dazu entschlossen haben, relativ spontan und je nach Tageswetterbericht zu starten.

Mittwochs sollte es dann soweit sein. Hannes gab uns am Vortag Bescheid, dass Mittwoch der schönste Tag werden sollte.
Wir erledigten also Dienstags noch schnell die Anmeldung und vereinbarten, dass uns Hannes am nächsten Morgen an unser Unterkunft abholen sollte.

Der Wecker klingelte um 1 Uhr!
Das war so einer der Momente in denen sich mein Körper wünschte, nicht zu so einem verrückten Geist, wie dem meinen zu gehören.

Egal, irgendwie konnten wir uns doch aufraffen und so standen meine Freundin und ich tatsächlich um viertel vor zwei in der Nacht abholbereit vor unser Unterkunft.
Hannes kam pünktlich und so fuhren wir, nachdem wir noch zwei weitere Gäste in Fiss eingesammelt hatten gemeinsam nach Serfaus und von dort zur Bergststion der Scheidbahn, unserem eigentlichen Startpunkt der Tour.
Es war Vollmond, trotzdem war schon die Anfahrt über die holprigen Zufahrtswege zu dieser frühen Stunde ein Abenteuer. Der Himmel war alles andere als klar und Bodennebel wechselte sich mit großen Wolkenfeldern ab, die nur zeitweise den Blick auf den Mond freigaben.
Am Startpunkt der Tour angekommen, verteilte Hannes noch Stirnlampen an die, die keine hatten und nachdem alle die Rucksäcke geschultert hatten gingen wir schließlich um 2:40 Uhr los.

Der Weg führte von Beginn an steil bergauf. Wir stiegen über einen ausgetretenen, teils mit Holztritten versehenen Pfad entlang eines Grasrückens in Richtung der oberen Scheidbahn auf. Noch waren wir mitten in den Wolken, weshalb das Licht der Stirnlampen teils mehr blendete als nützte. Über uns schien allerdings bereits hell der Vollmond und man konnte nun schon erahnen, dass es nicht lange dauern würde, bis wir die Wolkendecke durchbrechen sollten.
Wenige Höhenmeter später war es dann auch soweit. Hannes, der voran ging, rief uns zu, dass er bereits über den Wolken sei und so konnten auch wir einen kurzen Augenblick später einen ersten atemberaubenden Blick auf den sternenklaren Nachthimmel, die dunkle Siluette der Berge und das Wolkenmeer werfen, welches wir gerade hinter uns gelassen hatten.

Der Mond leuchtete nun so hell, dass wir zeitweise die Stirnlampen ausschalten konnten und uns auch ohne zusätzliches Licht gut orientieren konnten.
Der Weg führte nun etwas flacher unterhalb eines Bergkammes entlang und war auch im Dunklen recht gut zu erkennen. Lediglich in den größeren Geröllfeldern, die wir queren mussten, war die Orientierung nicht immer ganz einfach, so dass wir uns trotz der inzwischen wieder eingeschalteten Stirnlampen kurz verstiegen und knapp fünf Meter oberhalb des eigentlichen Weges über die Steine kraxelten.
Nachdem wir den Weg wieder gefunden hatten und bevor es durch eine weiteres Geröllfeld steil bergauf gehen sollte legten wir eine erste Trink- und Fotopause ein.

Blick auf den Doppelgipfel des Pezid

Blick auf den Doppelgipfel des Pezid

Nach der kurzen Pause stiegen wir weiter auf. Das nun vor uns liegende Geröllfeld wirkte sehr steil und ohne den Einsatz der Hände kam man nicht mehr voran. Erste Gedanken an den vermeintlich schwierigen Abstieg machten sich breit, zumal man aufgrund der dichten unter uns liegenden Wolkendecke die Höhe nicht richtig einschätzen konnte.

Egal, an den Rückweg konnten wir auch denken, wenn es soweit war, also richteten wir die Augen wieder nach vorne und stiegen weiter.
Der Weg führte uns nun wieder etwas flacher jedoch mit stetig wechselndem auf und ab über einen felsigen Geländerücken bis wir nach einer weiteren kurzen Pause den Tieftalsee (2783m) erreichten.
Wir umrundeten diesen südwestseitig und legten am Nordufer eine letzte Pause vor dem eigentlichen Gipfelhang ein.

Es fing langsam an zu dämmern und man konnte nun das Gipfelkreuz schon deutlich erkennen. Der letzte Anstieg war sehr steil und anstrengend, gab jedoch immer wieder unbeschreibliche Ausblicke frei und ließ erahnen, dass wir den perfekten Tag für diese Tour erwischt hatten.

es dämmert

es dämmert

Um 5:40 Uhr erreichten wir schließlich nach drei Stunden Aufstieg den Gipfel auf 3004m ü.d.A.
Da die Sonne erst um 6:23 Uhr aufgehen sollte, war noch ein wenig Zeit.
Zeit, die wir nutzten uns gegenseitig zum Gipfelerfolg zu gratulieren, ein paar Bilder zu machen und uns schließlich windgeschützt hinter einem großen Felsblock etwas abseits vom Gipfel unter einem Biwaksack vor dem Auskühlen zu schützen.

Da sich das, was dann geschah nur schwer in Wort fassen lässt, gibt es nun ein paar Impressionen von den Erlebnissen am Gipfel.

Blick vom Gipfel

Blick vom Gipfel

Gipfelfoto 1

Gipfelfoto 1 mit Vollmond im Hintergrund

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warm anziehen

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Gipfelfoto 2

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fantastisches Farbenspiel

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Die ersten Sonnenstrahlen

ohne Worte

ohne Worte

noch immer ohne Worte

noch immer ohne Worte

Unser Eintrag im Gipfelbuch!

Unser Eintrag im Gipfelbuch!

Ich könnte hier noch unzählige Bilder posten, aber keines könnte das Farbenspiel, die unglaubliche Ruhe und Kraft der Berge, den Tanz der Wolken und das Gefühl dieses Erlebnisses wiedergeben. Vor uns die aufgehende Sonne und im Rücken der Vollmond, der uns den ganzn Aufstiegsweg begleitet hat.
Eine solche Tour kann man nur versuchen zu Beschreiben, erleben muss man sie selbst.
Ich kann sie jedenfalls nur empfehlen.

Mit den Eindrücken des Gipfels und der nun freien Sicht auf den Weg, war auch der Abstieg nicht weniger faszinierend.
Es ging wieder abwärts zum Tieftalsee und von dort durch das steile aber im Hellen doch recht unproblematische Geröllfeld zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour.

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Blick in Richtung Skigebiet Masner kurz vor dem Abstieg

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Tieftalsee

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Blick zum Pezid

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Dank Sonne wurde es recht schnell warm, während die Menschen im Tal wohl noch schliefen und nichts von den traumhaften Bedingungen hoch oben ahnten

Wir machten noch einige Pausen, in denen Hannes auch ein paar interessante Einblicke und Erklärungen in die örtliche Flora und Fauna gab und erreichten schließlich nach 6:26h wieder das Auto.

Überwältigt von den Eindrücken der Nacht und des frühen Morgens fuhren wir mit dem Auto zurück nach Fiss, wo Hannes zum Abschluss der Tour noch ein Frühstück im Apart Hotel Aurora (www.aurora-fiss.at) organisiert hatte.

Buchen könnt Ihr diese Tour übrigens direkt bei Hannes unter www.asa-tirol.at

Und wer noch einen anderen Blickwinkel dieser Tour und einen Eindruck unserer gesamten Wanderwoche bekommen möchte, sollte dringend hier vorbeischauen.

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4 Antworten zu Sonnenaufgang über den Wolken

  1. Andreas schreibt:

    Saugut! Das schwebt mir dieses Jahr auch nochmal vor. Vielleicht nicht ganz so hoch. Aber das sind einfach beeindruckende Bilder, die mich gleich mal den Wetterbericht der kommenden Tage checken lassen…

  2. Hikeandbikeelix schreibt:

    Ist vorgemerkt und damit gebucht!

  3. Pingback: Hier sind die schönsten Leserfotos aus 2013 | WandernBonn.de

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